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THEORAL ist – angelehnt an den Rhizombegriff von Gilles Deleuze und Félix Guattari – eine nach allen Seiten durchlässige Sammlung von mündlich überlieferter Geschichte der creative music (improvisierte, experimentelle, Neue, Jazz, &c. Musik) sowie anderer unzynischer* Stimmen. Wir treten dabei nicht als Autoren auf, sondern agieren als Medium und Übersetzer. Die Künstlerinnen und Künstler sprechen für sich selbst, denn: “Who else … would be better suited to speak about this product than the instrument through which it appears? Surely, if such highly creative music can come from such minds, the same minds can give some insight about it and themselves in relationship”.**

Die creative music existiert nicht unabhängig von anderen Dimensionen der Gesellschaft sondern befindet sich in steter Interaktion. Deshalb beschränken wir uns nicht darauf, ein insulare bzw. eine künstliche, von äußeren Einflüssen isolierte, Musikgeschichte zu schreiben. In den publizierten Gesprächen spielt das In-der-Welt-Sein der Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Rolle. Die Kunst wird weder abgeschirmt noch idealisiert sondern als Teil des Sozialen und Politischen betrachtet und nicht als etwas daraus Herausgelöstes ihm gegenübergestellt. Das fügt die philosophischen Biographien, die durch unsere Arbeitsweise entstehen, in einen historisch-politisch-sozialen Kontext.

Neben den Musikerinnen und Musikern kommen auch Vertreter/-innen anderer Disziplinen der Kunst und Wissenschaft zu Wort, wodurch sich das Rhizom ausdehnen kann und eine mündlich erzählte Welt entsteht, die innerhalb des Falschen ein unzynisches Nein artikuliert.

THEORAL bedeutet eine Wiederentdeckung der Langsamkeit – längeren Monologen wird der Vorzug gegenüber kurzatmigen Aussagen gegeben. Die Erzählungen und Gedanken der Sprechenden werden durch Zeichnungen interpretiert und geöffnet.

Durch die Abwesenheit von dokumentarischen Abbildern (wie Photos) entstehen – als Gegenpol zur und gleichzeitig in Wechselbeziehung mit der niedergeschriebenen Sprache – Freiheiten, die sich mit Hingabe an Details als manuell erzeugte Interpretation des Niedergeschriebenen visualisieren lassen können.

Die Bilder sind ein Angebot, den Inhalt des Interviews in einer bestimmten Atmosphäre zu entspinnen, die Situation beim Interview oder die Erzählungen in einem bestimmten Stil zu entdecken. Sie wollen und sollen aber auch Raum bieten, die eigene Vorstellung und Phantasie dabei frei laufen und davon inspirieren zu lassen. Vielleicht unterstützt oder verlockt die Illustration den Leser, die Leserin sogar zur Öffnung hin in einen ihm/ihr zuvor unbekannten, unbequemen oder ungewohnten Bereich, den er/sie ansonsten nicht betreten hätte.

* Das Unzynische demaskiert das Zynische, es strebt danach, nicht regiert zu werden, es gibt anstatt zu akkumulieren, es ist das Poetische, unendlich, unzerstörbar, furchtlos.

** George E. Lewis (2009): A Power Stronger than Itself. The AACM and American Experimental Music. Chicago University Press.

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