about deutsch

Es ist unser Ziel, eine nach allen Seite offene Sammlung – angelehnt an den Rhizombegriff von Gilles Deleuze und Félix Guattari – von mündlich überlieferter Geschichte der creative music (improvisierte, experimentelle, Neue, Jazz, &c. Musik) zu schaffen. Wir treten dabei nicht als Autoren auf, sondern agieren als Medium, als Übersetzer und als Filter. Die Künstlerinnen und Künstler erzählen ihre Geschichte selbst, denn : “Who else … would be better suited to speak about this product than the instrument through which it appears? Surely, if such highly creative music can come from such minds, the same minds can give some insight about it and themselves in relationship” (Henry Threadgill). Uns bleibt die Edition und die graphische Interpretation der zu Text gewordenen Sprache.

Die Welt der creative music existiert nicht unabhängig von anderen Welten sondern interagiert ständig auf unterschiedlichste Arten und Weisen mit diesen. Deshalb wollen wir uns nicht darauf beschränken, eine reine oder von äußeren Einflüssen isolierte, Musikgeschichte zu schreiben. In unseren Gesprächen spielen die “Lebensrealitäten” der Künstlerinnen und Künstler und ihre Wirkung auf die Kunst eine wichtige Rolle. Die Kunst steht immer in Beziehung mit dem Sozialen und dem Politischen. Das Private und das Öffentliche sind ineinander verwoben. Das fügt die “philosophischen Biographien”, die durch unsere Arbeitsweise entstehen, in einen historisch-politischen-sozialen Kontext.

Aus diesem Anspruch ergibt es sich auch, dass nicht nur KünstlerInnen aus dem Bereich Musik zu dieser Sammlung von mündlich überlieferter Geschichte beitragen, sondern auch VertreterInnen anderer Disziplinen der Kunst, der Wissenschaft, des Journalismus oder Menschen, die ihr eigenes Leben zu Kunst oder zur Wissenschaft machen.

Die Geschichte/n werden, wenn möglich, in den jeweiligen Muttersprachen der Erzähler festgehalten. Daraus resultieren Nummern in unterschiedlichen Sprachen. Unsere Sammlungen sind geographisch nicht begrenzt – wir wollen Geschichte/n von creative musicians sowie Interessanten aus der ganzen Welt zusammentragen und uns damit wieder an die ganze Welt wenden. “We realized that we had to do our thing with a planetary approach. We had to hit the world market. We couldn’t localize … The only way for us to survive was to develop a world audience” (Lester Bowie).

THEORAL bedeutet eine Wiederentdeckung der Langsamkeit – längeren Monologen wird der Vorzug gegenüber kurzatmigen Aussagen gegeben. Die Erzählungen und Gedanken der Sprechenden werden durch Zeichnungen interpretiert und geöffnet.

Durch die Abwesenheit von dokumentarischen Abbildern (wie Photos) entstehen – als Gegenpol zur und gleichzeitig in Wechselbeziehung mit der niedergeschriebenen Sprache – Freiheiten, die sich mit Hingabe an Details als manuell erzeugte Interpretation des Niedergeschriebenen visualisieren lassen können.

Die Bilder sind ein Angebot, den Inhalt des Interviews in einer bestimmten Atmosphäre zu entspinnen, die Situation beim Interview oder die Erzählungen in einem bestimmten Stil zu entdecken. Sie wollen und sollen aber auch Raum bieten, die eigene Vorstellung und Phantasie dabei frei laufen und davon inspirieren zu lassen. Vielleicht unterstützt oder verlockt die Illustration den Leser, die Leserin sogar zur Öffnung hin in einen ihm/ihr zuvor unbekannten, unbequemen oder ungewohnten Bereich, den er/sie ansonsten nicht betreten hätte.

Zitate aus: George E. Lewis (2009): A Power Stronger than Itself. The AACM and American Experimental Music. Chicago University Press.

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